Berliner Raser-Fall

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Der "Berliner Raser-Fall"


Das Landgericht Berlin hatte bereits im Jahr 2017 zwei Angeklagte u.a. wegen mittäterschaftlich begangenen Mordes verurteilt. Die damals 24 und 26 Jahre alten Angeklagten führten nachts in der Berliner Innenstadt (über den Ku’damm) ein spontanes Autorennen durch. In dessen Verlauf fuhren sie nahezu nebeneinander bei Rotlicht zeigender Ampel und mit Geschwindigkeiten von 139 bis 149 km/h bzw. 160 bis 170 km/h in einen Kreuzungsbereich ein. Dort kollidierte der auf der rechten Fahrbahn fahrende Angeklagte H mit einem Pkw, der bei grünem Ampellicht von rechts kommend in die Kreuzung eingefahren war. Dessen Fahrer erlag noch am Unfallort seinen schweren Verletzungen. Durch die Wucht des Aufpralls wurde das Fahrzeug dieses Angeklagten zudem auf das neben ihm fahrende Fahrzeug des Mitangeklagten geschleudert, in welchem die Nebenklägerin auf dem Beifahrersitz saß. Diese wurde bei dem Unfall erheblich, die Angeklagten wurden leicht verletzt.


Mit Urteil vom 01.03.2018 (Az.: 4 StR 399/17) hob der Bundesgerichtshof (BGH) die Verurteilung der Angeklagten wegen Mordes jedoch aufgrund unzulänglicher Feststellung hinsichtlich des Vorsatzes auf. Das Landgericht Berlin — diesmal eine andere Kammer — hatte erneut über die Sache zu entscheiden. Mit Urteil vom 26.03.2019 haben die neuen Richter die beiden Raser abermals wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Erneut sind beide Angeklagten in die Revision vor den BGH gezogen. Am 18.06.2020 hat der BGH nunmehr die Verurteilung des Ageklagten H (Fahrer des unmittelbaren Unfallfahrzeuges) bestätigt. Insoweit ist das Urteil nun rechtskräftig. Hinsichtlich des anderen "Rennteilnehmers" wurde die Verurteilung wegen mittäterschaftlich begangenen Mordes allerdings erneut aufgehoben. Bei einer Mittäterschaft können einem Beteiligten unter gewissen Voraussetzungen Tatbeiträge anderer Mittäter (hier der von H verursachte tödliche Unfall) zugerechnet werden. Dies setzt jedoch u.a. immer einen gemeinsamen Tatplan der Mittäter voraus. Diese Anforderung hat der BGH als vom Landgericht nicht hinreichend belegt angesehen und das Urteil bezüglich des zweiten Fahrers aufgehoben. Insoweit kann man auf den endgültigen Ausgang des Verfahrens weiterhin gespannt sein.